Es ist eine Art Suche. Dabei weiß ich vom Finden nichts. Und die Dias in meiner Hand sind älter als gestern.
#Lustgarten #Potsdam
Naja, Flohmärkte waren früher auch mal anders. Wenigstens gab es nicht diese Helme. Neben den Waffen war noch Platz. Für Kinderroller oder rote Anoraks.
233 Kisten Richtung west. Linsensuppengeruch, aber keine Handschuhe. Und wenn ich die Kladden aus der 51. Kiste hebe, riechen sie gar nicht mehr danach. Wie es im Osten war. Als ich noch da war.
Hammer und Sichel haben gehalten. Auf der Kladde. Leider hängt noch die Farbe dran. Oder eine Narbe. Doch leider alles in der 51. Kiste. Neben den Helmen und den Ansteckern. Der Aufdruck stinkt.
„Mutti, was sollen diese Windräder aus Haken?“

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Wenn hier früher Flohmarkt war?
Heute schwarze Dias mit nichts. War Oma zufrieden, wenn keine Butter auf die Schrippen kam.
„Haben Sie Dias. Alte, alte Dias? Von der DDR und so?“
Keine Antwort. Auch nicht neben der 56. Kiste. Aber der heiße Brei auf der Kochstelle. Gleich gegenüber vom neuen Stadtschloss. Das wird neu. Parlament Brandenburg und ein Relikt Sprengungen der 70’er. Schaustellen Sie ruhig! Kommen Sie näher!
Die drei Männer mit drei Jahre Potsdam und drei Leben Afghanistan und Angst auf dem Rücken. Wärmen die Hände. Am Brei. Und keine alten Dias.

Naja, der Pfingstberg kann trösten. Und tut es nicht.
Die Auffahrt aus Gold und drei Hände voll. Mit weniger.
„Siehst du die alte Garage da? Gleich neben der Auffahrt?“
Richtig alter Beton. Am Fuße der Ruine.
Jetzt wird hier Villa gemacht. Mit Platz für 50 und beherbergt 2. Und früher, früher stand da der Trabbi drin? In der Garage. Gleich neben der Datsche. Jetzt lagern die gesammelten. Natursteine lagern darin. Damit die Terrasse auch noch schöner. Alles Natur. Altes Baumaterial. Gegen graue Fassaden.

„Und die Ossis, die haben doch gutes Geld bekommen. Für diese Blüten. Diese wertlosen“.
Der Pfingstberg schläft nicht mehr.

Als die Währung zur Reform wurde, hat die Oma die Hälfte vom Geld zurück bekommen. In Westmark. Wenigstens. Und konnte auch die Butter. Für’s Brot.
Ja und damals, der Klassenausflug von West nach Ost. Für einen Nachmittag. Die Nase in den Wind. Und mit den Ostmark nicht zurück. Matthias, der war damals schon so. Hat gesagt, die sind ja eh nix wert. Was soll ich damit? Hat sie auf die Straße. Die Ost-Scheine. Auf die Straße mit dem Kopfsteinpflaster. Weil man die ja eh nicht. Mitnehmen, das hätte man nicht. Und wert, wert sind sie.

„Mama, wo wohnen die, die übrig blieben?“
Die Vorstadt ist Plattenbau. Hinter den Fenstern mit Leuchtstoffröhre. Und eine Spitzengardine gegen die Zeit. Nach draußen blicken sie lieber nicht mehr. Nur manchmal, heimlich.

Und heute besetzten sie Berlin. Brandenburger Tor. #occupy für zwei Tage. Auch in New York. Und die Banken, die „Banken in die Schranken!“

„Wenn Geld doch gar nicht da ist?“
Wenn es ein Wert ist?
Wie viel wiegt dann das Glück?

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